„AENNCHEN“ – Aennchenplatz 2, 53173 Bonn
Das „Aennchen“ in Bad Godesberg ist eine traditionsreiche Gaststätte, die weit über die Region hinaus bekannt ist. Insofern lohnt es sich, bei der Beschreibung dieses außergewöhnlichen Auftrittsortes etwas weiter auszuholen:

Im Jahre 1878 übernahm die gerade erst 18 Jahre alte Aennchen Schumacher von ihrem verstorbenen Vater das Lokal „Gasthof zum Godesberg“. Ihr rheinischer Frohsinn, ihre liebenswürdiger Autorität und ungewöhnliche Musikalität machten den Gasthof bald zu einem der beliebtesten studentischen Treffpunkte Deutschlands. Über 400 Studenten der verschiedensten studentischen Verbindungen kehrten damals pro Abend bei ihr ein.

Ihren Beinamen „Lindenwirtin“ verdankt sie einem damals bekannten Studentenlied - „Keinen Tropfen im Becher mehr“, gedichtet von Rudolf Baumbach 1877 - in dem eine - allerdings namenlose - „Lindenwirtin“ vorkommt. Aennchen Schumacher, die viele der in ihrer Wirtschaft gesungenen Studentenlieder aufschrieb und sie als „Kleines Kommersbuch“ veröffentlichte, gefiel das Lied so gut, dass sie es den Studenten in ihrem Gasthaus vorspielte und beibrachte. Wohl auch, weil neben dem Gasthof tatsächlich eine Linde stand, schrieben zwei ihrer Gäste an einem Sonntagmorgen nach dem Besuch des Gasthofes am Vortag dann diese Zusatzstrophe zu dem Lied: „Wißt ihr, wer die Wirtin war – schwarz das Auge, schwarz das Haar? – Aennchen war’s, die Feine. – Wißt ihr, wo die Linde stand, - jedem Burschen wohlbekannt? – Zu Godesberg am Rheine.“
Zu ihrem 75. Geburtstag trafen ca. 5000 Glückwunschkarten aus der ganzen Welt ein, viele nur mit „Aennchen in Deutschland“ adressiert. Sogar der frühere deutsche Kaiser Wilhelm II. gratulierte. Die damalige Stadt Bad Godesberg verlieh ihr die Ehrenbürgerschaft.

Eine wohl der berühmtesten Postkarten überhaupt erreichte die Lindenwirtin „Aennchen“ im Jahre 1902 aus Kiautschou in China. Offiziere der kaiserlichen Marine gaben als Adresse nur ein kleines „n“ und „Deutschland“ an. Diese wohl kürzeste Anschrift, die jemals für eine Postkarte verwendet wurde, genügte, um die Karte um den halben Erdball ans Ziel der Bestimmung zu bringen. Der Kleinbuchstabe „n“ steht für „n-chen“, gleich lautend wie das Lokal.
Aennchen Schumacher starb im Februar 1935.

Wie fast alle Lokale, Gasthöfe und Gaststätten damals, so stellte auch das „Aennchen“ in den 60ern seine Räumlichkeiten für Auftritte von Beatbands zur Verfügung. Und davon wurde reichlich Gebrauch gemacht. So traten unter anderem die GUARDS, ...
...die HANGMEN, die HURRICANES, ...
...die Gruppe TWO AND TWO...
TWO AND TWO im "AENNCHEN"

...sowie die SHAGGIES in diesem alten Bonner Traditionslokal auf.

Das „Aennchen“ gibt es auch heute noch, und zwar als Gourmetrestaurant.
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