"BUS-STOP" (im Keller des „Bonner Bürgervereins“) - Bonn, Kronprinzenstr.  

                                                        2 (heute: Prinz-Albert-Str.) – (abgerissen)

Da sich unmittelbar vor dem Eingang des Gebäudeteils des BONNER BÜRGERVEREINS, der in der damaligen Kronprinzenstraße lag, eine Bus- und Straßenbahnhaltestelle befand, nannte sich der dort im Keller des Bürgervereins befindliche Club kurzerhand „BUS STOP“. Ausgestattet mit ausrangierten Bus-Sitzbänken und Fässern als Tische, ...

Kassenbucheintrag über den Kauf von alten Bussitzen

Eine Handwerkerrechnung für den "Bus-Stop"

... bot das Kellergewölbe Platz für ca. 100 Gäste. Die kleine Bühne befand sich zunächst am Kopfende, später mittig an der linken Seite des Clubs.

 

Das war der Stempel, der beim Eintritt auf den Handrücken gedrückt wurde.

Betrieben wurde der „BUS STOP“ von den Brüdern Niggi und Edgar Lehmann sowie von Walter Kettmann, die bei den TROLLEYS, der CREW 66 und dann bei den TAKE 5 spielten. Walter Kettmann und der Sänger der TAKE 5, Walter Stremmel, gingen zeitweilig zu den GUARDS. Die TAKE 5 waren somit die „Hausband“ des „BUS STOP“.

Edgar Lehmann vor dem "Bus-Stop"-Bus, der später mit der

Aufschrift "TAKE 5" als Bandbus diente.

Edgar Lehmann (links) und Holger Zühr von den TAKE 5

beim Zündeln hinter dem BUS-STOP, als dieser

umgebaut wurde.

Wie stark die Betreiber des Clubs und damit auch die TAKE 5 soulorientiert waren, zeigte sich nach dem Tod von Otis Redding, als im Schaukasten vor dem Eingang, einen Song von ihm aufgreifend, in großen Lettern stand:“Pain in our hearts“.

                      Niggi Lehman, eingerahmt von zwei Blondinen, im

                         BUS-STOP. Links zu sehen ist Holger Zühr, der

                                           Saxophonist der TAKE 5.

Für die Bonner Beatszene war der
„BUS STOP“ in den 60ern der Auftrittsort schlechthin. Fast alle Bonner Bands standen hier auf der Bühne, wie zum Beispiel die Gruppen BEATHOVENS, CONCENTRIC MOVEMENT ,...

                          Auszug aus dem Kassenbuch des "Bus Stop"

 

... COOL STOVE, DESPERADOS, ...

... FIRESTONES, ...

Ein Auftrittsvertrag der FIRESTONES für den BUS-STOP

... FIVE PEERS, ...

... FOUR UP, ...

            Ein von PETER HAEP eigens für diesen Auftritt im BUS-STOP

              für die Gruppe FOUR UP entworfenes und gestaltetes Plakat.

...
GUARDS, ...

... THE ROW, ...

                                    Die UNKNOWNS im BUS-STOP

...
WAYOUTS, WHAT ABOUT US?, ...

... YELLOW MOTION

Aber auch aus der weiteren Region gaben Gruppen dort ihre Visitenkarte ab, wie z. B. die Gruppe CIRCLE, ...

... die CLASSIC MODS aus Bad Honnef, die viele Auftritte im "BUS-STOP" absolvierten, ...

... die CREW 66, eine ursprünglich rein Kölner Band, die durch entsprechende personelle Verstärkung aus Bonn zu einer gemischt Köln/Bonner Gruppe wurde, ...

Hier befand sich die Bühne schon seitlich unter den Fenstern -

Die CREW 66 bei einer Probe im BUS-STOP
v.l.: Niggi Lehmann, Ulli Beckmann und Hady Moldrings

... die DAVE FREEMAN FIVE, ...

... HEATWAVE, ...

... die TONY HENDRIK FIVE aus Köln, die unangekündigt ´mal reinschauten und dann einen Spontanauftritt machten (Die TONY HENDRIK FIVE veröffentlichten zwischen 1966 und 1972 acht Singles und eine LP. Zeitweilig spielte auch Tommy Engel, der später mit den BLÄCK FÖÖS berühmt wurde, am Schlagzeug mit.), ...

                     Die TONY HENDRIK FIVE mit Tommy Engel (oben)

... die Gruppe HENRY'S LOGIC, ...

... die Gruppe PICTURE, ...

... die SCHORY SOUNDS aus Köln, aus denen dann die CREW 66 wurde, ...

... die SKYRIDERS, eine Profiband aus Köln, die von Roger Horné (Manager der GUARDS) gemanagt wurden und die auf CBS eine Single veröffentlicht hatten, ...

Promotion-Karte der SKYRIDERS

... die SPITEFULS aus Königswinter.

Interessant zu lesen ist das noch in den Händen von Niggi Lehmann befindliche Kassenbuch dieses Beatschuppens:

                Eine Seite des Kassenbuchs unter anderem mit Einträgen

                              über die an die Bands gezahlten Gagen

Der erste Eintrag im Kassenbuch datiert vom 4. März 1966. Daraus ist zu schließen, dass es sich hierbei um das zweite Kassenbuch des
"BUS-STOP" handelt, da der Club bereits vorher bestand und wegen eines Umbaus einmal längere Zeit geschlossen hatte. Der letzte Eintrag wurde am 5. April 1968 vorgenommen, als die TAKE 5 dort auftraten. Der Betrieb im "BUS-STOP" ging allerdings weiter, denn - wie oben zu sehen ist - traten die FOUR UP noch am 28, Juni 1968 dort auf.

                     Abtanzen im Bus-Stop: Vor seiner Frau tanzt Ulrich

                        Beckmann von den TAKE 5, hinten sitzen Edgar

                                    Lehmann und seine Frau Doris.

Ende 1968 wurde der
"BUS-STOP" mit einer großen Party geschlossen. 1969 wurde der „BONNER BÜRGERVEREIN“ mitsamt dem „BUS-STOP“ und dem "1600 CLUB" abgerissen. Heute steht dort das Hotel „Bristol“.

Ab Januar 1970 betrieb Niggi Lehmann im Keller des Hauses Gerhard-von Are-Str. 6 (gegenüber "Puppenkönig") das Musiklokal "SESSION", das zunächst "VOODOO" hieß und heute von seiner Tochter geeführt wird.

Nachtrag: 1967 diente der
"BUS STOP" als Drehort für Spielszenen des im Auftrag des Bundesministeriums für Verteidigung hergestellten Dokumentarfilms "Im Rhythmus der Jahrhunderte". Die Regie hatte A. M. Rabenalt, Darstellerin war u. a. Elisabth Endriss. Der Film ist 1968 veröffentlicht worden. Trotz intensiver Nachfragen im Bundesrachiv/Filmarchiv in Berlin war es nicht möglich, den Film auf DVD zu erhalten.

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